Geschichten und Gesichter

Im Interview: 3 Fragen an die Demenzberaterin Frau Fieseler in der Woche der Demenz

Bereits Anfang 2018 hat die Demenzberaterin Fieseler des DRK-Haus Rottmannsmühle die Selbsthilfegruppe "Gemeinsam Stark" für Angehörige von Menschen mit Demenz ins Leben gerufen. Anlässlich der Woche der Demenz haben wir das Gespräch mit ihr gesucht und ihr 3 Fragen zur Selbsthilfegruppe gestellt.

 

Mit welcher Motivation kommen die Mitglieder zum Gruppentreffen?

Die Teilnehmer von „Gemeinsam Stark“ kommen mit unterschiedlichen Motivationen in die Selbsthilfegruppe. Manche möchten mehr über die Krankheit und deren Verlauf erfahren. Andere möchten wissen ob sie im Umgang mit ihren Angehörigen etwas falsch machen oder das Verhalten „normal“ ist.
Die Bestätigung das sie mit ihren Fragen und Problemen nicht alleine sind und das andere ähnliche Probleme haben, löst oft eine gewisse Erleichterung aus.
Laut der Teilnehmenden verändert sich im Laufe der Zeit die Motivation. Benötigen sie anfangs selbst viel Hilfe, so sind sie später in der Lage neuen Gruppenteilnehmenden selbst Hilfestellungen zu geben.

Wie sind die Treffen gestaltet?

Die Gruppenstunden finden jeden 2. Mittwoch im Monat um 16 Uhr und jeden 4. Mittwoch im Monat um 18 Uhr im Quartiersbüro Rottmannsmühle statt.
Ich begrüße die Teilnehmenden zu Beginn der Stunde. Zunächst wird aktuelles und organisatorisches besprochen. Ggf. neue Teilnehmende werden vorgestellt.
Anschließend findet der Austausch unter den Teilnehmenden statt. Problematiken und Fragen werden gestellt, beantwortet oder auch diskutiert.
Meine Aufgabe ist es, den Gesprächen Struktur zu geben. Jeder soll zu Wort kommen, keine störenden Zwischengespräche.
Wenn im Vorfeld Informationen zu einem bestimmten Thema gewünscht wurden, habe ich zu dem Thema entsprechendes Material zusammengestellt, um Hilfestellungen zum Austausch zu geben. Die Besprechung des Themas sollte  nicht länger als 15-30 Minuten dauern.
Nach ca. 1,5 Stunden beende ich die Gruppenstunde mit dem Vorlesen einer Kurzgeschichte. Das beruhigt sowohl die Teilnehmenden als auch mich.

Was ist für Sie der Wert der Angehörigengruppe?

Einmal sagte eine Teilnehmerin zu mir: „Der Wert dieser Gruppe ist mit Gold nicht aufzuwiegen“.
Und tatsächlich freue ich mich über jeden Teilnehmer der Gruppe dem ich behilflich sein konnte und kann. Es geht ja nicht immer nur um Fragen die den Umgang mit den Erkrankten betreffen. Da sind auch noch viele andere Fragen wie Pflegegrad, Vorsorgevollmacht, oder was bleibt an Geld übrig wenn mein Angehöriger in ein Pflegeheim muss.
Auch diese Fragen bekommen Raum und werden so gut es geht beantwortet, auch innerhalb der Gruppe.
Wenn ich sehe wie jeder einzelne Teilnehmer gestärkt aus dem Gruppentreffen rausgeht und im Laufe der Zeit immer stärker und souveräner mit seinem demenziell veränderten Angehörigen umgeht, macht mich das glücklich.
Oft bekomme ich positives Feedback von den Gruppenteilnehmern, das bestätigt mir das es richtig war „Gemeinsam Stark“ die Selbsthilfegruppe für Angehörige von Menschen mit Demenz ins Leben zu rufen.

v.l. Eva Schmeier, Marita Strozynski, Annette Gerdenken, Elisabeth Remmers

 

 

Im Interview: Lisa Remmers und Annette Gertdenken von der Frauenselbsthilfe Krebs

Die Frauenselbsthilfe Krebs hat in diesem Jahr ihr 40jähriges Jubiläum in Bottrop. Die geplante Feier muss leider ausfallen. Auch die Wahlen des Leitungsteams konnten noch nicht, wie geplant durchgeführt werden, dabei stehen Änderungen vor der Tür.

In unserer Rubrik „3 Fragen an …“ möchten wir aus diesen Anlässen gerne zwei Engagierte aus der Frauenselbsthilfe kurz vorstellen und zu Wort kommen lassen.

Lisa Remmers, die die Frauenselbsthilfe in Bottrop seit vielen Jahren zusammen mit Eva Schmeier und Marita Strozynski leitet, und Annette Gertdenken, in Bottrop bisher das Gesicht der Patientinneninitiative IMPULS am Marienhospital und von Beruf Psychoonkologin, Psychologische Beraterin, Gestalttherapeutin, Yogalehrerin und Entspannungspädagogin, die sich schon darauf freut, Aufgaben im Leitungsteam der Frauenselbsthilfe zu übernehmen und die „Netzwerkarbeit“ zu erweitern, haben wir folgende Fragen gestellt:

  • Wie seid ihr zur Selbsthilfe gekommen?
  • Welche Bedeutung hat Selbsthilfe in eurem Leben?
  • Was macht ihr und eure Gruppe in dieser besonderen Zeit, damit der Austausch und die Gespräche nicht verstummen?

Wie seid ihr zur Selbsthilfe gekommen?

Lisa: Durch meine Krebserkrankung und dadurch mitgemachtem Gesprächskreis!
Annette: Aktiv bin ich in der „Frauenselbsthilfe Krebs“ seit Mitte 2019. Durch meine eigene Erkankung 2012 habe ich begonnen „Yoga für an Krebs erkrankte Frauen“ im Brustzentrum des Marienhospitals anzubieten. Dort begannen die ersten Kontakte zu Lisa Remmers und deren Gruppe. 2014 habe ich mit einigen anderen betroffenen Frauen die „Patientinneninitiative IMPULS“ gegründet, um ein reichhaltiges Angebot für an Krebs erkrankte Frauen anzubieten.
Und immer wieder gab es Verbindungen zur FSH durch gemeinsame Aktivitäten, Vorträge, Ideen. Im letzten Jahr kam die Anfrage ob ich die FSH im Vorstand unterstützen möchte.
Ja, ich möchte, denn die FSH hat 40 Jahre wertvolle Arbeit geleistet, und die Leiterinnen sind mit Herzblut und viel Engagement für ihre Teilnehmerinnen da.
Über die neue Aufgabe und die Erweiterung unserer „Netzwerkarbeit“ freue ich mich sehr! Die Zusammenarbeit mit Lisa, Marita und Eva ist sehr inspirierend.

Welche Bedeutung hat Selbsthilfe in eurem Leben?

Lisa: Andere Betroffene und auch mich selbst zu stärken, die Erkrankung anzunehmen und positiv denken zu lernen. Die Möglichkeit zu haben sich über Dinge auszutauschen die nicht nur die medizinische Seite abdecken, sondern auch praktische Dinge im Alltag.
Annette: Das Zusammensein mit Betroffenen und zu sehen welche Bedürfnisse da sind, ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden. Es gibt viel zu tun und ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass es PatientInnen ein wenig besser geht und sie eine Anlaufstelle (jetzt ja 2 mit IMPULS und FSH) haben.

Was macht ihr und eure Gruppe in dieser besonderen Zeit, damit der Austausch und die Gespräche nicht verstummen?

Lisa: Es ist schwer, denn wir gehören ja zu der Risikogruppe. Durch Telefonate oder Nachrichten schreiben, bleiben wir in Verbindung. Jetzt können wir auch Einzelgespräche bei einem Spaziergang durchführen. Wir hoffen, dass nach der Sommerpause alles so gelockert ist, dass wieder Treffen in gewohnter Umgebung möglich sind.
Annette: Es gibt das Angebot des Telefonierens, ein- bis zweiwöchige Infos, Meldungen, Anregungen, Wünsche, Texte durch WhatsApp und SMS.
Inzwischen können kleine Treffen bis zu 10 Personen draußen wieder stattfinden. Klarheit und „Am Ball bleiben“ bietet Sicherheit und das Vertrauen, dieses auch weiter zu geben.
Mir ist es wichtig, die Corona-Krise nicht nur als „Krise“, sondern als Chance zu sehen, um Dinge neu betrachten zu können und nicht in Trauer, Angst und Frust zu versinken.
Die Situation annehmen wie sie ist, und zueinander halten und im Moment zueinander schauen, das ist mir wichtig.
Es geht weiter und Neues wird entstehen.

Frauenselbsthilfe Krebs


Patienteninitiative Impuls


Im Interview: Helga und Sonja vom Blinden und Sehbehindertenverein

Die Bezirksgruppe Bottrop des Blinden- und Sehbehindertenverbands Westfalen (BSVW) besteht in diesem Jahr seit 90 Jahren. Aus diesem Anlass wollen Sonja Steinig und Helga von Gradowski stellvertretend für das noch relativ neue Vorstandsteam interviewen. Vor rund einem Jahr ist der langjährige Vorsitzende Werner Fries verstorben. Mitten in den Vorbereitungen zur ersten bundesweiten Selbsthilfewoche bei deren Organisation Werner Fries eine treibende und gestaltende Kraft gewesen war, musste sich die Bezirksgruppe neu finden und das haben sie getan. Sonja Steinig ist als neue Vorsitzende gewählt worden und gestaltet gemeinsam mit Helga von Gradowski und den anderen Vorstandsmitgliedern die engagierten Vereinsaktivitäten.
Im Jubiläumsjahr hatten sie eine Kinovorführung im Juni sowie eine große Jubiläumsfeier im September geplant. Zum aktuellen Zeitpunkt hat die Bezirksgruppe entschieden, die Kinovorführung auf das nächste Jahr zu verschieben. Ob die Jubiläumsfeier wie geplant stattfindet, wird sich erst in den nächsten Wochen entscheiden lassen.

Ganz unabhängig von diesen Planungen und der aktuellen Situation haben wir die beiden Vorstandsmitgliedern Sonja und Helga im Interview gefragt

  • wie sie zur Selbsthilfe gekommen sind,
  • was sie in ihrer Gruppe machen,

und welche Bedeutung Selbsthilfe aktuell in ihrem Leben hat.

Wie seid Ihr zur Selbsthilfe gekommen?

Sonja: Als ich 1970 zur Welt kam, war ich blind. In den kommenden zwei Jahren folgten fünf Augenoperationen. Seither bin ich hochgradig sehbehindert.
Im September 2018 fragte mich eine Bekannte, die ehrenamtlich im Blinden - und Sehbehindertenverein Bottrop tätig ist, ob ich nicht mal Lust hätte, am gemeinsamen Kaffeetrinken teilzunehmen. In dieser Gemeinschaft, in der ich so herzlich aufgenommen wurde und in der es so familiär zuging, habe ich mich sofort unglaublich wohlgefühlt.

Helga: Nachdem ich 2011 von meiner Augenärztin meinen Befund der „Makular-Degeneration“ erhielt, rasten mir viele Fragen wie „was passiert gerade mit mir“ oder „wie wird mein Leben in Zukunft aussehen“ durch den Kopf.
Mir wurde deutlich, dass ich mir Hilfe und Ratschläge durch andere Betroffene einholen musste; dazu suchte ich die für mich geeignete Selbsthilfegruppe aus; es war die Bezirksgruppe des BSVW.
Dort lernte ich den vollkommen erblindeten, inzwischen verstorbenen Vorsitzenden der BSVW Bezirksgruppe, Herrn Werner Fries, kennen. Mit seiner Energie und Zuversicht bei allem, was er tat, machte er mir sehr viel Mut, um mit meiner Sehbehinderung umgehen zu können.
Ich bin seit vielen Jahren in der Vereinsarbeit der BSVW Bezirksgruppe Bottrop tätig und hoffe, dass ich Betroffenen und ihren Angehörigen durch persönliche Gespräche und Beratungen helfen konnte und es auch weiterhin leisten kann.

 

Was macht ihr in eurer Gruppe?

In unserer Gruppe finden regelmäßige gemeinsame Kaffeetrinken und Spielenachmittage statt. Dabei tauschen wir uns aus, sprechen über unsere Probleme, aber wir lachen auch und haben viel Spaß zusammen.
Wir besuchen Hilfsmittelausstellungen, machen Ausflüge, feiern diverse Festlichkeiten und engagieren uns in der Öffentlichkeit für unsere Interessen.
Einige Male im Jahr besuchen uns Fachleute wie Augenoptiker, Blindenführhundetrainer, Ärzte und andere und halten Vorträge zu verschiedenen Themen.
Einmal im Monat bieten wir eine Sprechstunde für die Belange der Bürger an, die beispielsweise vor einer Erblindung stehen.

Welche Bedeutung hat Selbsthilfe aktuell in eurem Leben?

Sonja: Für mich bedeutet die Selbsthilfe sehr viel. Diese familiäre Gemeinschaft, in der man sich untereinander hilft, gibt mir das Gefühl, mit der Sehbehinderung nicht allein zu sein. Es vermittelt mir eine gewisse Stärke. Man fühlt sich verstanden.
Gerade in der momentanen Lage merkt man, wie wichtig die Hilfsbereitschaft untereinander ist. Ich habe in Rahmen dieser Selbsthilfe viele wunderbare Menschen kennengelernt und Freunde gefunden, die ich nicht mehr missen möchte.

Helga: Durch den Austausch der verschiedenen Erfahrungen und Informationen Betroffener, aber auch der eigenen, kann man in der Selbsthilfe den Weg für sich im alltäglichen Leben leichter finden.

Kontakt: Sonja Steinig, Tel.: 02041 40 55 212, bottrop@bsvw.org